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Moderne Holzblasinstrumente

Die Holzblasinstrumente bilden keine einheitliche Gruppe, sondern nach Aussehen, Spielweise, Klang und Geschichte vier unterschiedliche Familien mit jeweils einem oder zwei Hauptinstrumenten und (in Klammern) einigen Nebeninstrumenten:

  • Flöten: Große Flöte oder Querflöte (Pikkolo, Altflöte)
  • Klarinetten: Klarinette (Kleine Klarinette, Altklarinette, Bassetthorn Bassklarinette)
  • Saxophone: Altsaxophon, Tenorsaxophon (Sopransaxophon, Baritonsaxophon, Bass-Saxophon)
  • Oboen: Oboe (Oboe d'amore, Englisch Horn), Fagott (Kontrafagott)

Die Merkmale der Familien zeigen sich am Aussehen ihrer Hauptinstrumente: Flöten - aufgrund ihrer Spielhaltung auch Querflöten genannt - haben keine Stürzen, sie sind aus Metall gefertigt, meist aus Neusilber oder Silber, nur gelegentlich aus Holz, Saxophone zeichnen sich durch ihre weite Schallröhre aus sowie - mit Ausnahme des Sopransaxophons - durch ihre aufgebogene Stürze. Sie sind aus Blech. Das Fagott ist stets aus Holz; es zeigt die typische geknickte Schallröhre, die Stürze ist kaum ausgebildet.

Klarinette und Oboe unterscheiden sich nur im Detail. Achtet man aber auf die Mundstücke und Stürzen, so zeigen sich deutliche Unterschiede. Die Resonanzröhre der Klarinette ist außerdem dicker und länger als die der Oboe. Werden die Instrumente nicht gebraucht, nimmt der Oboist sein Rohrblatt ab, der Klarinettist stülpt eine Kapsel über das Mundstück.

Die untere Grenze des Tonumfangs von Flöte und Oboe ist ähnlich, ebenso die obere Grenze des Tonumfangs von Flöte und Klarinette. Die Klarinette hat nach unten einen erweiterten Tonumfang, verglichen mit Flöte und Oboe. Damit hat sie von allen Holzblasinstrumenten den größten Tonumfang. Der Tonumfang des Fagotts entspricht etwa dem des Violoncellos.

Im klassischen Sinfonie- und Opernorchester sind in der Regel je zwei Flöten, Oboen, Klarinetten und Fagotte vertreten. Nur gelegentlich werden Pikkoloflöte, Englisch Horn, Bassetthorn und Kontrafagott verwendet. Im 19. Jahrhundert werden diese und andere zusätzliche Instrumente immer häufiger verlangt, da die Komponisten nun die Klangfarbe der einzelnen Instrumente ganz bewusst in der Komposition berücksichtigen. Seit Richard Wagners Musikdramen hat sich die dreifache Besetzung der Holzbläser eingeführt. Die Saxophone werden im Orchester nur vereinzelt verwendet.

Weiterhin bilden die Holzblasinstrumente zusammen mit den Blechblasinstrumenten die sogenannte Harmoniemusik. Zu ihr gehört die Militärmusik, aber auch viele Musikvereinsorchester (Blasorchester) sind Harmoniemusikorchester. Solche Harmoniemusiken gab es bereits im 18. Jahrhundert, zum Beispiel von Mozart, Haydn und Beethoven.

Schließlich existiert eine große Vielfalt von Kammermusikbesetzungen mit Holzblasinstrumenten allein oder gemischt mit Streich- und Tasteninstrumenten sowie Blechblasinstrumenten, vor allem mit dem Horn.

Die U-Musik verwendet alle Holzblasinstrumente. Besonders aber haben Klarinetten und Saxophone in Unterhaltungs- und Jazzkapellen Eingang gefunden.

Familie der Flöten

Das Hauptinstrument ist die Große Flöte oder Querflöte, einfach auch nur Flöte genannt. Die Griffweise bietet trotz der verwirrenden Vielfalt von Klappen, Ringklappen, Hebeln, Rollen u. a. alle Voraussetzungen zu einer virtuosen Spielbarkeit. Dem Anfänger machen denn auch die Atemtechnik und der Ansatz, also die besondere Art des Anblasens des Mundstücks, eher Schwierigkeiten. Der Bläser formt dabei mit den Lippen einen flachen Luftstrahl, mit dem er die Kante des Anblaslochs treffen muss.

Die Pikkoloflöte, auch Kleine Flöte genannt, ist eine Querflöte, die etwa halb so lang ist wie die Große Flöte, ihr Tonbereich ist deshalb auch um eine Oktave nach oben verschoben. Die Pikkoloflöte klingt für sich allein weniger überzeugend, dringt aber auch gegen ein volles Orchester durch. Sie ist das höchste Instrument im Orchester.

Die Altflöte liegt mit ihrem Tonumfang um einige Töne tiefer als die Große Flöte; es gibt Altflöten in g, f und es, womit auch ihr jeweils tiefster Ton bezeichnet ist. Die Altflöte gibt es in gerader oder abgeknickter Bauweise. Auch eine Bassflöte in c wurde entwickelt und in neuer Musik gelegentlich verwendet.

Familie der Klarinetten

Die Spieltechnik der Klarinetten unterscheidet sich erheblich von derjenigen der Querflöten. Der Spieler nimmt das Mundstück in den Mund und muss es mit einem kräftigen Anblasdruck zum Schwingen bingen. Das Mundstück besteht aus einem Blatt, das auf eine passende Bahn gebunden wird. Die Grifftechnik ist zwar komplizierter als bei der Flöte, erlaubt aber dennoch eine enorme Virtuosität. Der Tonumfang der Klarinetten ist besonders groß. Heute finden zwei etwas unterschiedliche Typen von Klarinetten Verwendung: die Deutsche oder Oehler-Klarinette mit ihrem weicheren Klang wird vor allem in Deutschland im Bereich der sogenannten E-Musik gespielt, die Boehm-Klarinette, etwas lauter und schärfer im Klang, findet außerhalb Deutschlands und generell im Jazz und in der U-Musik Verwendung.

Die Klarinetten gehören zu den sogenannten transponierenden Instrumenten, ausgenommen die Klarinette in c. Die notierte Klarinettenstimme gibt nicht unmittelbar die Tonhöhe an, die erklingen soll, sondern stellt vielmehr eine Anweisung dar, welche Klappen zu betätigen sind. Die notierte Note c' zum Beispiel ergibt bei der Klarinette in B ein b, bei der Klarinette in A ein a, bei der Kleinen Klarinette in Es ein es'. Die transponierende Notation macht es möglich, dass ein Klarinettist alle Instrumente der Klarinettenfamilie spielen kann, weil ein bestimmter notierter Ton immer denselben Griff verlangt. Zu den transponierenden Instrumenten gehören u. a. auch die Saxophone, Trompeten und Hörner.

Das Hauptinstrument dieser Familie, die Klarinette, gibt es in drei Größenvarianten, die sich voneinander wenig unterscheiden: die Karinette in B - das meist benutzte Instrument, die Klarinette in C - sie steht im Tonumfang ein wenig höher und die Klarinette in A - sie steht ein wenig tiefer, ihr Klang ist etwas dunkler und weicher. Die Längenunterschiede zwischen Klarinette in A und B bzw. B und C betragen nur etwa zehn Prozent. »In B«, »in A« u. ä. bedeutet, dass das jeweilige Instrument besonders leicht in der betreffenden Tonart, also - in diesem Beispiel - in B-dur bzw. A-dur gespielt werden kann.

Die Familie der Klarinetten ist besonders vielfältig. Neben dem Hauptinstrument in drei Größen gibt es mehrere Nebeninstrumente, alle wieder in verschiedenen Größen:

Die Kleine Klarinette - ebenfalls in mehreren Größen gebaut - steht im Tonumfang nur wenige Töne höher als die Klarinette in B, ihr Klang ist aber schärfer.

Das Bassetthorn und die Altklarinette liegen einige Töne tiefer als die Klarinette. An dem abgebogenen Mundstück und der meist aufgebogenen Stürze aus Metall sind diese Instrumente zu erkennen. Das Bassetthorn - vor allem Mozart hat es mehrfach vorgeschrieben - steht mit einem Stachel auf dem Boden, oft hat es auch eine gerade Stürze; sein Tonumfang reicht weiter nach unten. Die Altklarinette ist selten anzutreffen.

Die Bassklarinette ist das Bassinstrument der Klarinettenfamilie. Ihr Tonumfang entspricht etwa demjenigen des Fagotts. Die Stürze ist meist nach oben gebogen, selten gerade an das Rohr angesetzt. Die noch größere Kontrabassklarinette ist selten. Die tieferen Klarinetten haben auf den ersten Blick in ihrer Form Ähnlichkeit mit Saxophonen. Alle Klarinetten sind aus Holz, abgesehen von der Stürze der größeren Formen und seltenen Ausnahmen in der Harmoniemusik, alle Saxophone sind aus Blech.

Familie der Saxophone

Die Anblastechnik der Saxophone entspricht derjenigen der Klarinetten, die Griffweise ist einfacher. Die Saxophone haben im Bereich der E-Musik nur eine geringe Bedeutung erlangt, um so wichtiger sind sie dagegen im Jazz und der U-Musik, für den Jazz können sie geradezu als Klangsymbol gelten.

Die Saxophonfamilie ist bei den Holzblasinstrumenten die jüngste Familie. Sie wurde von Adolphe Sax, einem belgischen Instrumentenbauer, um 1840 aus einer Kombination von Bassklarinette und Ophikleide, einem Klappenhorn, entwickelt. Es gelang Sax nicht, die Saxophone ins Opern- und Sinfonieorchester einzuführen. Georges Bizets »Arlésienne«-Suite, Maurice Ravels »Bolero« und seine Instrumentierung von Modest P. Mussorgskijs »Bilder einer Ausstellung« gehören zu den wenigen Ausnahmen. Das Saxophon machte seinen Weg über die französischen Militärkapellen, die Militärkapellen der amerikanischen Südstaaten, nach deren Auflösung wurde es von den schwarzen Jazzmusikern im New Orleans-Jazz gespielt, bis es in die Swingorchester Eingang fand und mit diesen nach Europa zurückkehrte.

Hauptinstrumente sind das Tenorsaxophon vor allem, aber auch das Altsaxophon. Serienmäßig werden heute dazu noch das Sopransaxophon, das Bariton- und Bass-Saxophon gebaut. Sopranino- und Kontrabass-Saxophon sind selten anzutreffen.

Familie der Oboen

Die Instrumente der Oboenfamilie werden mit einem doppelten Rohrblatt angeblasen, daher auch die Bezeichnung Doppelrohrblattinstrumente. Das Rohrblatt besteht aus zwei aufeinandergebundenen Segmenten eines Pfahlrohrs, einer hochgewachsenen subtropischen Grasart, aus der auch die Klarinettenblätter gewonnen werden. Berufsmusiker bauen auf das Rohr selbst, ein subtiles Mundstück, von dem viel abhängt; es darf nicht zu trocken, nicht zu feucht sein, es muss genau die richtige Spannung und Dicke haben.

Die Hauptinstrumente der Familie sind Oboe und Fagott. Die Oboe ist das Sopraninstrument ihrer Familie, das Fagott das Bassinstrument. Das Altinstrument ist das Englisch Horn. Bemerkenswert am Englisch Horn ist das birnenförmige Rohrende. Es verleiht dem Instrument einen warmen, näselnden Klangcharakter, besonders in der tiefen Tonlage. Etwas kleiner als das Englisch Horn ist die Oboe d'amore; sie endet ebenfalls in dem birnenförmigen Schallstück, das auch »Liebesfuß« genannt wird.

Ein vergrößertes Fagott ist das Kontrafagott. Die Länge seiner schwingenden Luftsäule beträgt etwa sechs Meter. Es verfügt über die tiefsten Töne des gesamten Orchesters. Die Frequenz dieses tiefsten Tons liegt immerhin unter 30 Hz. Das ist eine Oktave tiefer als der tiefste Ton des Fagotts. Die Stürze des Kontrafagotts ist im Gegensatz zum Fagott nach unten gerichtet.

Akustik der Holzblasinstrumente

Blasinstrumente bestehen grundsätzlich aus einem Mundstück (Generator) und einer Röhre (Resonator).

Mit dem Mundstück werden die Schwingungen erzeugt. Bei den meisten Blasinstrumenten kann man es von der Röhre trennen. Bläst man dann hinein, gibt es einen Klang ab, der relativ schwach, unschön und musikalisch kaum zu verwenden ist; mit dem Klang des ganzen Instruments hat er nicht viel Ähnlichkeit. Erst durch die Ankopplung des Rohres, also eines Resonaors, entsteht der volle, wohlklingende Ton.